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Bioshock 2


Review: PC / XBox360 / PS3 (getestet)


Rapture, Ort der Utopie und des Grauens. In den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde aus der Vision eines Mannes, den Fesseln der Gesellschaft, der Religion und auch der Moral zu entkommen, eine Stadt auf dem Grund des Meeres. Doch der Natur des Menschen konnte er auch an diesem Ort nicht entkommen. Schon bald zerfiel diese Welt der Wunder in einen Nexus des Schreckens, in der nicht mehr die Leistung und die Errungenschaften des Einzelnen, sondern das Recht des Stärkeren zählt. Die Gesellschaft machte sich abhängig von Adam, einer aus Tiefseeschnecken gewonnenen Droge, die ihrem Benutzer durch und durch übermenschliche Kräfte verlieh. Dank der völlig frei gewordenen Wissenschaft wurden Plasmide entwickelt, durch die man durch pure Gedankenkraft Gegenstände in Brand setzen, zu Eis erstarren oder per Telekinese umher werfen konnte. Doch mit den neuen Möglichkeiten begann der Niedergang. Vom totalen Missbrauch in den Wahnsinn getrieben, rissen die 'Splicer' genannten Genmutanten das Leben in Rapture in kürzester Zeit in den Abgrund.

Einziger Quell an Nachschub von Adam waren nun die Little Sisters. Einst normale Kinder, wurden sie genetisch angepasst und dazu benutzt, fortan aus den zahlreichen Leichen in Rapture die Droge zu extrahieren. Das machte sie natürlich zu Zielscheiben für jeden Drogensüchtigen in der Stadt, und darum wurde jeder Sister ein Beschützer zur Seite gestellt. Männer, die nichts mehr zu verlieren hatten, wurden mit Adam vollgepumpt und in einen waffenstarrenden Tiefseetaucheranzug gesteckt, der für immer ihre neue Haut sein sollte. Vollkommen auf seine Little Sister konditioniert tut er alles, um sie zu schützen, wenn es sein muss mit seinem Leben. Stirbt die Sister, stirbt auch ihr Daddy.

Wiedergeboren

Die Story von Bioshock 2 beginnt zehn Jahre nach dem ersten Teil. Nach dem Tod von Andrew Ryan und der Befreiung der Little Sisters hat sich einiges in Rapture verändert. Eine neue Gruppierung um Sophia Lamb hat die Macht an sich gerissen. Statt Egoismus und Kapitalismus wird nun Moral und Religion gepredigt, die Brutalität des Systems ist aber gleich geblieben. Die Stadt ist noch herunter gekommener als früher, viele Teile sind mittlerweile komplett geflutet.

Als ihr das erste mal inmitten dieses Chaos die Augen öffnet, blickt ihr durch das Sichtfenster eines Taucherhelms. Ihr seit in die Haut aus Stahl, Leder und Nieten eines Big Daddys geschlüpft, genauer gesagt in die Haut des allerersten Daddys, dem Prototypen aller weiteren Beschützer. Alles, woran ihr euch erinnern könnt, ist eine Pistole, die ihr euch vor zehn Jahren an die Schläfe gehalten habt, das entsetzte Gesicht eurer Sister , ein Schuss und dann - Dunkelheit. Schon bald erfahrt ihr über Funk den Grund für eure Wiedergeburt. Eine gewisse Frau Dr.Tennenbaum hat euch zurück ins Leben geholt, da jemand wieder angefangen hat, kleine Mädchen von der Oberfläche zu entführen und in Little Sisters umzuwandeln. Zunächst ist nicht klar, warum deswegen ausgerechnet ihr zurück geholt wurdet, aber wer schon den ersten Teil gespielt hat, der ahnt dass sich hinter der ganzen Geschichte mehr verbirgt, als es zunächst den Anschein hat.

 Im Körper des Feindes

Doch zunächst gilt es, sich im neuen, nur vermeintlich schwer fälligen Körper zurecht zu finden. Als Prototyp genießt ihr einige Vorteile, die normalen Big Daddys nicht gegönnt sind. Ein größtenteils freier Wille zum Beispiel, oder die sehr nützliche Möglichkeit, Plasmide einzusetzen. An eurem rechten Arm befindet sich nun ein gigantischer Bohrer, mit dem ihr euch zu Beginn recht wirkungsvoll gegen die ersten Gegner zur Wehr setzen könnt. Während der Erkundung der Umgebung macht ihr dann die erste Begegnung mit einer völlig neuen Gefahr. Eine Big Sister stellt sich euch in den Weg, ebenso gepanzert wie ihr, aber deutlich agiler, flinker und damit gefährlicher als alles andere in Rapture. Und sie ist wenig begeistert davon, dass nun ein weiterer Daddy durch ihr Revier streift. Sie bringt eine große Glaskuppel zum bersten und spült euch auf den Boden des Ozeans. Dank eures Anzugs lässt ihr euch davon aber nicht beeindrucken und stampft zur nächsten Luftschleuse, um euch weiter durch die Stadt zu kämpfen.



Im Laufe des Spiels gibt es mehrere solcher Unterwasser-Sequenzen, die zwar spielerisch wenig bringen, aber optisch einiges hermachen. Wie schon im ersten Teil kämpft ihr euch durch die herunter gekommene Art-Déco Umgebung, plündert besiegte Gegner und rüstet euch Stück für Stück weiter auf. Doch natürlich gibt es auch einige Unterschiede. Der bedeutsamste ist wohl, dass sich nun Feuerwaffen und Plasmide gemeinsam nutzen lassen. Und ein wirkungsvoller Einsatz eurer Fähigkeiten ist hier wichtiger denn je, denn Munition für die Schießprügel ist spätestes in der mittleren Schwierigkeitsstufe ein knappes Gut. Da macht es Sinn, den Gegner zum Beispiel erst zu einem Eisblock gefrieren zu lassen und ihn dann mit dem Bohrer in kleine Stücke zu zerschlagen. Auch das Hacken von Verkaufsautomaten oder automatischen Geschützen ist komfortabler geworden. Hier ist nun ein kleiner Reaktionstest zu absolvieren, bei dem eine schwankende Nadel im grünen Bereich zu stoppen ist. Bei Erfolg winken niedrigere Preise oder feuerkräftige Unterstützung, während bei Versagen Stromstöße oder ein Angriff drohen. Des weiteren könnt ihr euren Körper wieder mit diversen Tonika verbessern, was dem Ganzen noch einen kleinen Rollenspiel-Anstrich verpasst.

Beim alten geblieben ist die Erzählweise des Spiels, die wieder größtenteils durch Funknachrichten und Audio-Tagebüchern, die überall in Rapture zu finden sind, funktioniert. Die muss sich niemand anhören, es geht dann aber viel vom Flair und der Atmosphäre verloren.

Moralische Entscheidungen

Wenn ihr auf eine Little Sister trefft, werdet ihr vor die Entscheidung gestellt, die Kleine zu adoptieren oder auszubeuten. Während letzteres schnelles, aber wenig Adam bringt (vom schlechten Ruf im Kindergarten ganz zu schweigen), bindet euch die Adoption für kurze Zeit an die Sister. Per Pheromonspur lotst sie euch zur nächsten frischen Leiche, um dort ihr Adam abzuzapfen. Doch sobald sie mit ihrem Werk beginnt, werden sämtliche Splicer in der Gegend angelockt. Um gegen diese Bedrohung gewappnet zu sein, solltet ihr die Umgebung vorher ausführlich mit Minen und Minigeschützen spicken, denn teilweise werden sie in Horden kommen. Nützlich ist da auch die aufrüstbare Fähigkeit, Feinde zeitweise auf eure Seite zu ziehen und so Hilfe im Kampf zu bekommen. Hat die kleine Schwester genug Adam gesammelt, bringt ihr sie zurück zu einer der zahlreichen Lüftungsschächte der Stadt. Dort werdet ihr erneut vor die Wahl gestellt, das Kind laufen zu lassen, oder sie zu töten und ihre Vorräte an Adam zu stehlen. Diese Entscheidung solltet ihr weise treffen, hat sie doch immer Auswirkung auf den weiteren Spielverlauf und einem alternativem Ende.

An diversen Stellen im Spiel stellt sich euch eine Big Sister entgegen. Dieses Ereignis wird immer mit Schreien und erzittern des Bildschirms angekündigt, für euch ein Zeichen alle Waffen zu laden und vielleicht noch eine Medikit zu benutzen. Denn diese Kämpfe haben es in sich und fordern mehr von euch, als dumpfes ballern. Viel zu schnell weicht sie euren Attacken aus und greift euch mit gewaltigen Sprüngen von hinten an. Eine ruhige Hand und cleverer Einsatz von Plasmiden und der Umgebung sind der Schlüssel zu diesen Kämpfen. Dafür ist die Belohnung jedes mal guter Dank für eure Mühen, neben Geld und Ausrüstung haben die großen Sisters immer Adam bei sich, mit dem man sich beim nächsten Automaten wieder genetisch verbessern kann. So dreht sich die Spirale immer weiter in Richtung des fulminanten Finales, doch wer den ersten Teil kennt weiss dass immer dann, wenn es zu Ende sein scheint, etwas völlig Unerwartetes geschieht.

Kolben und Federn

Bioshock 2 basiert wie sein Vorgänger auf der Unreal 3 Engine, bietet aber einiges mehr an Details und Effekten. Trotzdem lässt sich ihr Alter nicht mehr ganz verleumden, was aber der Grafikpracht keinen Abbruch tut. Bioshock-Veteranen fühlen sich direkt wieder wie zu hause, was auch daran liegt, das dankenswerter weise die gleichen Synchronsprecher wie in Teil eins benutzt wurden. Die machen ihre Arbeit immer noch ganz hervorragend, die Atmosphäre zieht durch die Sounduntermalung sogar noch einen Ticken an.

Die Steuerung ist genre-typisch durchdacht und leicht erlernbar. Mit den rechten Schultertasten bedient ihr euer Waffenarsenal, die linken sind für die Plasmide zuständig. Da der Big Daddy in einem dicken Taucheranzug steckt, ist er nicht ganz so agil wie manch anderer Actionheld, dafür fühlt er sich glaubhaft wie eine gepanzerte Kampfmaschine an.

Nach acht bis zehn Stunden sollte der durchschnittliche Spieler eines der vier verschieden Enden sehen, und kann sich danach im umfangreichen Multiplayer-Teil austoben. Nachdem man sich seinen Charakter und zwei Waffensets erstellt hat, kann man seine Zielgenauigkeit in diversen Modi unter Beweis stellen. Die Palette reicht vom einfachen Deathmatch bis zu außergewöhnlichen Aufgaben, wie z.B. eine Little Sister zu finden und diese eine bestimmte Zeit lang zu beschützen. Im Gegensatz zum ersten Teil bietet hier der Multiplayer einen echten Mehrwert. So kann man noch einige Stunden zusätzlich die bizarre Schönheit von Rapture genießen und sich am Untergang der Menschlichkeit ergötzen.

 

Geschrieben von: Dirk Kons am 22.03.2010





  

Positiv

  • großartige Atmospäre
  • ungeschnitten

 

Kommentare
Am Freitag, 3.Feb 2012, 22:56 schrieb AwVFVwAnRbQmpHMBExG aus IWZBSMTEeqQ
Boy that rellay helps me the heck out.
Am Dienstag, 13.Apr 2010, 13:21 schrieb Alex Praxl
Schöner Artikel - und was für ein Spiel! Habs gerade auf der Xbox durch und bin absolut begeistert. Vor allem das Ende lässt einen wieder mit offenem Mund zurück, da hatten sie ja aber auch einiges vorgelegt im ersten Teil.
Ohne zu viel zu verraten, keine Sorge, aber den letzten Satz des Spiels darf man glaube ich zitieren: "... und in unserer Geschichte war Rapture nur der Anfang." Fortsetzung! Und außerdem ist es immer schön, wenn eine Geschichte mit dem Wort "Anfang" endet.

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