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Die Siedler 7


Review: Mac / PC (getestet)

War das letzte „Siedler“-Spiel „Aufbruch der Kulturen“ noch eine ganz bewusste Rückbesinnung auf die Wurzeln der Serie, ist Entwickler Blue Byte mit „Die Siedler 7“ endgültig im Web 2.0-Zeitalter angekommen. Statt einem gemütlichen Ausflug nach Wuselhausen im Retroland erwarten den Spieler im neuen Teil der Traditionsserie Social Network-Features, Online-Ranglisten und freischaltbare Zusatzinhalte. Und auch beim Gameplay hat sich soviel getan, dass man fast von einem Relaunch der Serie sprechen könnte.

Trotz aller Neuerungen handelt  es sich bei „Die Siedler 7“ nach wie vor um ein Aufbaustrategiespiel, wobei die Betonung aber auf der „Strategie“ liegt. Die Karten, auf denen man gegen den Computer oder einen menschlichen Gegner antritt, sind in mehrerer Sektoren unterteilt, die man erst kontrollieren muss, ehe man ans besiedeln denken kann. Da in den Sektoren unterschiedliche Rohstoffe zu holen sind, muss man sich früh überlegen, mit welcher Strategie man gegen den Gegner vorgeht. Und man muss schnell sein, damit man sich den Zugang zu seltenen Rohstoffen sichert. Im Vergleich zu früheren „Siedler“-Spielen kann es gerade in den ersten Minuten einer Partie also ganz schön hektisch werden.

Hat man auf einer Karte erstmal Fuß gefasst, kommt zeitweise aber tatsächlich wieder die gemütliche Atmosphäre eines „Siedler“-Spiels auf. Ausgehend vom Schloss – dem zentralen Gebäude im Startsektor –, einem ersten Lagerhaus mit unendlichem Fassungsvermögen und einer ersten Bauhütte errichtet man Gebäude, in denen die Siedler leben und vor allem arbeiten. Von nichts kommt schließlich nichts. Der Aufbaupart in „Die Siedler 7“ ist etwas einfacher ausgefallen, vor allem aber übersichtlicher geworden. Zur Auswahl stehen nur noch sechs Basisgebäude, die jeweils mit bis zu sechs Arbeitsgebäuden erweitert werden können. An Wohnhäuser schließt man eine Metzgerei, eine Bäckerei, einen Brauer oder auch Metall verarbeitende Betriebe wie die Münzprägerei oder den Waffenschmied an. Die Forsthütte bietet Platz für Holzfäller und Sägewerk, aber auch für Fischer und Jäger. An die Berghütte wird der Steinmetz oder eine Kohle-, Erz- oder Goldmine angeschlossen. Und rund um den Bauernhof werden Getreidefelder angelegt, Schweine und Pferde gezüchtet oder das Korn in der Mühle zu Mehl weiterverarbeitet. Alles in allem gibt es um die 30 Produktionsgebäude, die aber sehr übersichtlich auf die Basisgebäude verteilt sind.



Wie immer bei den „Siedlern“ ist es von entscheidender Bedeutung für den Spielerfolg, dass die Wege zwischen zusammenhängenden Betrieben möglichst kurz sind. Bei Getreidefeld und Mühle passiert das im neuen Teil ganz automatisch, weil ja beide an den Bauernhof angeschlossen sind. Bei der Werkzeugproduktion kann es dagegen schon mal vorkommen, dass die Erzmine in einem anderen Sektor liegt als der Wald, in dem man das Holz für den Schmelzprozess gewinnt. Damit der Transport reibungslos funktioniert, muss man daher zudem auf eine ausreichende Abdeckung mit Lagerhäusern achten, die als Umschlagplätze für die Waren dienen.

Auch wenn der Aufbaupart ein wenig an Komplexität und Bedeutung eingebüßt hat: er geht dafür extrem einfach von der Hand. Die sechs Basisgebäude lassen sich frei positionieren, und grüne Pfeile zeigen schon beim Bauen an, ob auch genug Platz für Arbeitsgebäude vorhanden ist. So können selbst „Siedler“-Neulinge schnell ein kleines Städtchen aufbauen, das sich optisch sehr ansprechend in die organisch wirkende Landschaft einfügt. Und Profis haben später die Möglichkeit, die Feinheiten der Warenproduktion in übersichtlichen Menüs zu regulieren, indem sie Arbeiter etwa mit besserer Nahrung versorgen oder einzelne Produktionsstätten zeitweilig stilllegen.

Drei Wege, ein Ziel

Siedlung aufbauen, Rohstoffe beschaffen und weiterverarbeiten und immer ein Auge auf die Warenkreisläufe haben – das klingt alles sehr nach dem, was man von einem „Siedler“-Spiel erwartet. Kommen wir also zu den teilweise radikalen Neuerungen in „Die Siedler 7“. Hat man in den früheren Teilen auch manchmal nur aus reinem Selbstzweck an seinen Siedlungen gebastelt und wurde man für den Aufbau einer funktionierenden Siedlung mit einer funktionierenden Siedlung belohnt, geht es in „Die Siedler 7“ um Siegpunkte. Vor einer Partie wird festgelegt, wie viele man davon benötigt, um das Match zu gewinnen. Siegpunkte gibt es für die unterschiedlichsten Erfolge im Spiel: die größte Armee etwa, die meisten Handelsruten und die höchste Bevölkerungszahl, aber auch für Quests, die man in speziellen Sektoren abschließt – meistens, indem man eine bestimmte Menge Waren liefert oder den Sektor erobert.



Das neue Siegpunktesystem bringt eine ganz neue Dynamik in eine Partie, egal ob in der Kampagne, die zwölf Missionen umfasst, oder einem freien Single- oder Multiplayer-Match. Denn während man früher solange vor sich hingesiedelt hat, bis der Gegner von der Karte verdrängt oder man mit seiner perfekten Siedlung absolut zufrieden war, wird man in „Die Siedler 7“ laufend mit dem Spielstand konfrontiert. Bereits gewonnene Siegpunkte kann einem der Gegner zum Teil wieder wegschnappen, indem er eine noch größere Armee ausbildet oder noch mehr Handelsruten erschließt. Und wenn sich einem die Chance bietet, eine Partie für sich zu entscheiden, sollte man diese tunlichst ergreifen, statt noch ein bisschen an der Siedlung zu feilen.

Drei Wege führen in „Die Siedler 7“ zum Sieg: Militär, Handel und Forschung. Alle drei werden im Spiel durch ein spezielles Gebäude repräsentiert, die zu den Basis- und Arbeitsgebäuden hinzukommen. In der Kaserne rekrutiert man Nah- und Fernkampfinfanterie, Kavallerie und Artillerie, sobald man die entsprechenden Produktionsstätten für Waffen, Pferde oder Kanonen errichtet hat. Die Truppen weist man einem seiner Generäle zu, die im Schloss oder dem Außenposten stationiert sind, den es in jedem Sektor einmal gibt. Will man einen neuen Sektor erobern, wählt man eine Armee aus und schickt sie zum gegnerischen Außenposten – alles Weitere entscheidet die Mathematik, zumindest anfangs. Wer mehr Soldaten in den Kampf schickt, gewinnt, so einfach ist es leider. Erst später kann man durch Forschung einzelne Truppenteile verbessern, dem General einen Standartenträger zur Seite stellen, Priester in den Außenposten stationieren oder die Sektoren befestigen. Türme und Mauern werden dabei immer an vorgegebenen Stellen errichtet, zuerst aus Holz, später aus Stein.

Priester rekrutiert man in der Kirche. Soldaten bei der Verteidigung eines Außenpostens zu unterstützen, ist aber keineswegs ihre Hauptaufgabe – die Geistlichen kümmern sich in erster Linie um die Forschung. In einem speziellen Menü wählt man die Technologie aus, die man erforschen will, und schickt damit die geforderte Anzahl Priester ins Kloster. Auch hier gilt: wenn man nicht schnell genug ist, schnappt einem der Gegner die nützlichsten Technologien weg, denn jede kann nur einmal erforscht werden.



Die Händlergilde schließlich kümmert sich um den Import und Export von Waren. Ähnlich wie bei der Forschung muss man zunächst eine Delegation von Kaufleuten auf einer Weltkarte zu einem Handelsposten schicken. Ist man vor dem Gegner dort, kann man fortan in der Händlergilde Waren tauschen. Pro Handelsposten kommt eine neue Tauschmöglichkeit hinzu – wer also seine Steinvorkommen abgebaut hat, sollte nach einem Deal Ausschau halten, bei dem eine reichlich vorhandene Ware gegen Steine getauscht werden kann.

Wie gesagt, der Schwerpunkt in neuen „Sielder“-Teil hat sich eindeutig zugunsten der Strategie verschoben, so schön und funktional der Aufbaupart auch ist. Je nach Map, den verfügbaren Rohstoffen, den Siegpunkten und den persönlichen Vorlieben muss man sich in jeder Partie möglichst schnell eine Erfolg versprechende Strategie zurechtlegen und diese konsequent verfolgen. Gemütlich war gestern…

Immer online – der Kopierschutz

Nicht unerwähnt bleiben darf leider der neue Kopierschutz von Publisher Ubisoft, der auch bei „Die Siedler 7“ zum Einsatz kommt. Klar, das Spiel an sich kann nichts dafür, aber die Schwierigkeiten, die der Kopierschutz unter Umständen macht, können den Spielspaß doch entscheidend trüben. Wer „Die Siedler 7“ spielt, egal ob im Single- oder im Multiplayer-Modus, ist ständig mit den Servern von Ubisoft verbunden. Das an sich ist aber noch nicht einmal das Problem, tatsächlich passt es sogar ganz gut zu einem Spiel, in dem man jederzeit seine Erfolge bei Facebook veröffentlichen kann und das auf Multiplayer-Partien ausgelegt ist – auch wenn man so etwas nicht ausgerechnet von den „Siedlern“ erwartet hätte. Nein, der Onlinezwang ist nicht das eigentliche Problem. Wohl aber, dass Ubisoft es bislang noch nicht geschafft hat, eine verlässliche Infrastruktur zum Kopierschutz anzubieten. Denn selbst wenn man eine Internet-Flatrate besitzt und die Firewall richtig eingestellt hat, was einen Weile dauern kann und bei einigen Firewalls gar nicht möglich ist, so dass nur die Deinstallation bleibt: zu Stoßzeiten kam es immer wieder vor, dass die Ubisoft-Server überlastet waren und man deshalb gar nicht spielen konnte. Und das, obwohl man doch nur ein bisschen gemütlich vor sich hinsiedeln wollte – wobei, das geht in „Die Siedler 7“ ohnehin nur noch bedingt.



 

Geschrieben von: Alex Praxl am 12.04.2010





  

Positiv

  • organische Landschaft und Siedlungen
  • sehr detailverliebt
  • totale Übersicht dank mächtiger Zoomfunktion
  • durchdachter Aufbaupart
  • volle Kontrolle dank funktionaler Menüs
  • abwechslungsreiches Siegpunktesystem
  • umfangreiche Singleplayer-Kampagne
  • mehr Multiplayer
  • temporeiche Partien

Negativ

  • nicht mehr so beschaulich
  • lästiger Kopierschutz

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