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Assassin’s Creed Brotherhood (Review)


Die dritte Geschichte um die genetisch verankerten Erinnerungen von Barkeeper Desmond Miles und seine Abenteuer im Animus setzt an den zweiten Teil von Assassin’s Creed an und entführt den Spieler in das historische Italien der Renaissance. Schafft es der neuste Streich von Ubisoft erneut zu fesseln, oder bekommen wir nur einen lauwarmen Aufguss vorgesetzt?

Nachdem das erste Assassin’s Creed uns in die Welt des Assassinen Altaïr und seinen Kampf gegen die Templer im Heiligen Land während des Dritten Kreuzzuges entführt hat, und sein Nachfolger als Ezio Auditore die Familie rächen ließ, geht Brotherhood da weiter, wo sein Vorgänger aufhörte. Ezio, mittlerweile ein ansehnlicher Assassine und damit in der Kunst der Tarnung und des Kampfes  ausführlich bewandert, verschlägt es nach empfindlichen Rückschlägen in seiner Heimatstadt in das von den Templern beherrschte Rom. Dort, in der damals mächtigsten Stadt der westlichen Welt, muss er seinen Kampf gegen den Orden erneut aufnehmen und verhindern, dass die Gesellschaft wieder ins dunkle Mittelalter versinkt.



Soweit die grobe (und spoilerfreie) Zusammenfassung der Story. Wer die Vorgänger nicht kennt, der bekommt die Geschichte noch mal im Intro zusammen gefasst, Kenner freuen sich auf neue Abenteuer. Dabei fängt alles ganz harmlos an: Ezio kehrt in seine Heimat  zurück und macht  den Spieler dort durch einfache Missionen mit der Steuerung vertraut. Das ist aus bitter nötig, denn durch den enormen Aktionsumfang sind alle Aktionstasten mehrfach belegt. Es gibt Unterschiede ob Ezio sich im normalen oder im Kampfmodus befindet, ob er geht oder rennt und wo er sich dabei befindet. Natürlich kann er sich auch wieder akrobatisch an allen möglichen Fassaden entlang hangeln oder über die Dächer der Stadt springen. Die Steuerung ist dabei erfreulich einfach gehalten, eine Anweisung mit dem Analogstick reicht, um ihn jeden möglichen Vorsprung erreichen zu lassen. Ein jederzeit sichtbares Diagramm hilft aber, die Übersicht über alle verfügbaren Möglichkeiten zu behalten. Im Spielverlauf verinnerlicht man die Abläufe aber, und die Steuerung geht gut von der Hand.



In Rom findet man sich dann erst mal mit einer riesigen, unbekannten Stadt voller Feinde und wenigen Verbündeten konfrontiert. Abhilfe schaffen Übersichtspunkte, die erklommen werden wollen und diese Mühe mit einem frei geschalteten Teil der Karte belohnen. Wer möchte kann man sich auch durch unbekanntes Gebiet bewegen. Es bringt aber einige Nachteile mit sich, wenn man sich in unbekanntem Territorium aufhält. Zum einen hat man keinen Überblick über die verwickelten Straßen und damit Flucht- und Umgehungswege, und man sieht die markierten Gegner in Form von feindlichen Soldaten nicht. Einfach über die Dächer zu springen ist dabei keine allzu gute Alternative, denn Unauffälligkeit sollte stets oberste Devise sein. Wer einfach vor den Augen der Passanten ein Haus erklimmt macht sich damit verdächtig, und das wiederrum lockt die Wachen an. Die fackeln im Zweifelsfall nicht lange und verfolgen den Spieler zur Not auch in schwindelnden Höhen. Allerdings hat man einiges an Waffengewalt entgegen zu setzten, und ein kleiner Trupp Soldaten liegt schnell blutend in der Gosse. Sollte die Übermacht aber zu groß werden, hilft nur sein Heil in der Flucht zu suchen und sich solange zu verstecken oder unauffällig in einer Menschentraube zu verbergen, bis die Truppen die Suche aufgeben.



Bestimmte Gebiete sind von der Borgia-Garde besetzt und befinden sich damit unter dem Joch unseres Erzfeindes. Um diese Areale zu befreien muss sich erst zum zuständigen Hauptmann durchgekämpft -oder geschlichen- werden, und nach erfolgter Beseitigung den Bannerturm zu ersteigen und symbolträchtig in die Luft zu jagen. Danach steht das Gebiet unter Kontrolle der Assassine und kann wieder belebt werden. Dazu müssen verschiedene Lokalitäten gegen Bares renoviert werden, die dem Spieler verschiedene Vorteile bringen. Ein neu eröffneter Stall macht jederzeit ein Reittier verfügbar, ein Schmied repariert Rüstungen und verkauft neue Waffen, ein Medicus versorgt Wunden, und in einer Bank kann Ezio die immer weiter sprudelnden Einnahmen abheben und weiter investieren. Somit erweitert sich Brotherhood um ein taktisches Element, in dem man sich ein Netz aus hilfreichen Kontakten aufbaut, aber immer die liquiden Mittel im Auge behalten muss. Sollte das Budget mal knapp werden, dann man sich noch ganz unedel im Taschendiebstahl und Leichenfledderei üben, was so manchen nützlichen Gegenstand ins Inventar befördert. Im späteren Verlauf des Spiels begegnet man auch noch Berühmtheiten wie Leonardo da Vinci, der Ezio mit seinen (auf historischen Aufzeichnungen beruhenden) Erfindungen hilft und bildet gar seine eigene Assassinen-Gilde aus, die in auf Zuruf aus brenzligen Situationen rettet.



Nach ungefähr 12-14  Stunden ist das Abenteuer vorbei, was bei heutigen Blockbustern bei weitem kein schlechter Wert ist. Wer Ehrgeiz beweist und Rom vollkommen unter seine Kontrolle bringen möchte ist allerdings noch ein paar Stunden länger beschäftigt, da einige Modernisierungen mächtig teuer sind. So oder so, der Spieler wird in der Zeit einige Kämpfe bestreiten, die aber insgesamt einen Tick zu einfach sind, aber auch so manche Kletterpassage meistern, die schon fast an ein Kaliber wie Uncharted oder gar Prince of Perisa heran reichen. Dank der unkomplizierten Kletter-Steuerung sind diese aber problemlos zu meistern, wenn man den Weg erst einmal erkannt hat. Womit auch die Frage vom Anfang beantwortet wäre. Nein, um einen Aufguss handelt es sich hier definitiv nicht, dafür wurden zu viele Stunden Spielspaß und Neuerungen in Brotherhood verbaut. Auch wer schon die anderen beiden Teile der Assassin’s Creed Trilogie kennt kann hier viel Neues entdecken, und Neulinge werden nach einem etwas fummeligen Start mit einem spannenden Spiel belohnt.



Technisch hat sich die Reihe seit Teil zwei weiter entwickelt. Die Texturen sind feiner geworden, die Framerate ist höher und die Geißel der Playstation 3, die Tearing genannten Nachzieheffekte, konnte von den Ubisoft-Studios in den Griff bekommen werden. Die Fernsicht über die Dächer der Stadt ist zum Teil schon beeindruckend, entfernte Bauwerke wie das Kolosseum können über weite Distanzen ausgemacht werden. Dafür kann man den ein oder anderen unschönen Clipping-Fehler erspähen, und in manchen Fällen verdecken Bäume oder Mauerecken den wichtigen Teil des Geschehens. Die deutsche Vertonung ist gut gelungen, die markanten Stimmen der Hauptdarsteller wie die das Gemurmel aus der Menge. Leider patzt die Grafik die Mimik äquivalent wieder zu geben, was die Figuren mitunter etwas leblos erscheinen lässt.



Wer nach dem Soloteil noch Lust auf mehr hat, der kann sich in Brotherhood erstmals auf einen Online-Modus stürzen. Dieser bringt die Grundelemente des Spiels mit der Online-Community zusammen: Als Assassine mischt man sich unter das gemeine Volk, mit dem Ziel einen anderen Mitspieler möglichst unauffällig zu meucheln. Man selbst ist aber immer auch selbst potentielles Opfer, genau wie alle anderen Spieler, die mit auf der Jagd sind. So entsteht ein Katz und Maus Spiel, in dem man so auffällig wie nötig, so verborgen wie möglich agieren muss, um am Ende mehr Morde auf der Haben-Seite verbuchen zu können. Anfangs ist das noch sehr spaßig, irgendwann vergeht man aber im immer gleichen Spiel ums Sehen und nicht gesehen werden und merkt, dass dies gegen das eigentliche Spiel nicht mehr als eine nette Dreingabe ist.

 

 

Geschrieben von: Dirk Kons am 22.11.2010
Leserwertung: 





  

Positiv

  • tolle Weitsicht
  • großer Umfang
  • gut erzählte Story

Negativ

  • teils langweilige Szenarien (Realwelt)
  • geschnitten (Bluteffekte)
     

 


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