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The Next BIG Thing (Review)


„Das Leben ist wie ein Krokodil: den einen Tag beißt es dich, den nächsten ist es aus Plüsch“ – Liz Allaire

Point & Click Adventures galten lange Zeit als nahezu ausgestorben. Nach der goldenen Ära der LucasGame- und Sierra- Spiele kam lange Zeit nicht mehr viel, was das Genre belebt hätte; angesichts neuer Genres wie dem Action Adventure galt die Erzählweise und Darstellung der klassischen Adventures als zu statisch für große Blockbuster. Zu gering sei die Motivation, ein Spiel immer wieder zu spielen, zu gering die Herausforderung, ein einmal gelöstes Rätsel nach einem gewissen Zeitraum noch mal anzugehen. Und so fristete das Genre ein trauriges Nischendasein; von einigen wenigen Veröffentlichungen für „Liebhaber“ einmal abgesehen. 

Doch gerade, als das Genre endgültig für tot erklärt wurde, erschien ein Hoffnungsschimmer am Spielehimmel. Die Spanischen Entwickler „Pendulo Studios“ veröffentlichten ihr erstes, internationales P&C „Runaway – a Road Adventure“. Auf einmal war alles wieder gut, die Spiele schossen wie Pilze aus dem Boden und nach und nach bekamen P&C-Fans endlich wieder neuen Rätselstoff. Die Pendulo-Studios sind inzwischen ein etabliertes Studio, Runaway erhielt zwei nicht minder erfolgreiche Fortsetzungen und wurde 2009 mit „A Twist Of Fate“ abgeschlossen. Nun steht das neueste Projekt von Pendulo in den Startlöchern: „The Next BIG Thing“!

Es verschlägt uns diesmal in ein alternatives Amerika der 50er Jahre. Monster sind Realität und Dank des großen Erfolgs von Horrorfilmen gesellschaftlich etabliert. Das Szenario wird von skurrilen Gestalten bevölkert; zudem ist die Entwicklung von Robotern soweit fortgeschritten, dass diese als Hausangestellte ihre Dienste verrichten. Die beiden Journalisten Dan Murray und Liz Allaire sollen für ihr Magazin, dem Quill, eine Reportage zur jährlichen Horrorfilmpreisverleihung schreiben. Doch dann beobachten sie, wie einer der großen Stars des Filmstudios in das Büro des großen Bosses einbricht. Sie gehen dem nach und werden dabei in die Story ihres Lebens verwickelt.

Ein gutes Adventure lebt in erster Linie von seinen Rätseln. Weder zu leicht noch zu schwer dürfen sie sein, der Spieler darf sich nicht langweilen oder irgendwann mit den Worten „wie soll man denn auf die blöde Idee kommen“ nach Googles Lösung suchen. Diese Balance ist nicht leicht zu finden, wird von The Next BIG Thing aber sehr gut getroffen. Man weiß immer, was zu tun ist. Wie, das ist eine andere Geschichte, aber durch die überschaubare Anzahl der Räume und des Inventars fühlt man sich selten so allein gelassen, dass man nach stundenlangem Gesuche entnervt aufgibt. Wie immer gilt die Devise „erst mal das Inventar prüfen, dann nochmal die Räume untersuchen und mit den Leuten (Monstern oder Robotern) reden“, dann findet sich schon noch ein hilfreicher Hinweis zu Rätsels Lösung.

Außerdem lebt ein gutes Adventure von seinen Dialogen. Davon gibt es mehr als genug. An allen Ecken und Enden findet sich eine Tüte voll Wortwitz, Ironie und Humor! Allein die Gespräche von Dan und Liz, die sich nicht ausstehen können und sich andauernd streiten, sind herrlich. Die deutsche Synchronisation ist ausgezeichnet, selten war die Sprachausgabe eines Adventures so flüssig wie hier. Dass außerdem so ziemlich jeder in dem Spiel einen an der Klatsche hat, macht das Ganze umso unterhaltsamer. Immer wieder finden sich Anspielungen auf neue und alte Film- und Serienklassiker – zum Beispiel in Form eines ziemlich deprimierten Roboters.

Die Grafik eines guten Adventures ist eigentlich eher zweitrangig. Spiele wie „Edna bricht aus“ sind dafür der beste Beweis. Aber dieses Spiel gehört grafisch zu den prächtigsten Adventures überhaupt. Sowohl die Hintergründe als auch die Animationen strotzen nur so von liebevoll mit kräftigen Tuschfarben gezeichneten Details, die Bewegungen sind sauber und laufen, genau wie die Videos, so geschmeidig über den Bildschirm, dass es einfach nur Spaß macht, ihnen dabei zuzusehen.

Praktischer Weise können mehrere Profile für mehrere Spieler angelegt werden, die man sogar mit einem Passwort schützen kann. Das ist gerade dann sehr sinnvoll, wenn sich mehrere Spieler einen PC teilen und gleichzeitig spielen. Pfuschereien und „Tschuldigung, dass ich deinen Spielstand überschrieben habe, ich hab mich verklickt“ gehören so der Vergangenheit an. Außerdem kann der Spieler – je nach Motivationsgrad – die Schwierigkeit zu Beginn des Spiels festlegen. „Leicht“ bedeutet hierbei, dass man Tipps und Hotspots angezeigt bekommt, „Schwer“ verzichtet auf beides. „Mittel“ ist dabei für diejenigen Spieler, die nicht auf Hotspots verzichten wollen. Ist ein Profil einmal festgelegt, kann es während des Spiels nicht mehr geändert werden, also nichts mit „ich schalt mal auf leicht um und lass mir den Tipp anzeigen“. Eine sehr schöne und praktische Ergänzung, mit der weder „Anfänger“ noch „Profis“ zu kurz kommen werden.

„Zu kurz“ ist übrigens ein gutes Stichwort; viel zu schnell kommt der Abspann. Dabei ist die Spielzeit durchaus angemessen, denn bei gemächlicher Spielweise inklusive „Brett vorm Kopf“ ist das nach immerhin rund 8 Stunden der Fall. Aber wie das so ist mit guten Geschichten: sie enden immer viel zu früh!

The Next BIG Thing hat tatsächlich das Potential zum Next Big Thing! Adventurefans sollten unbedingt zugreifen; sollte es da draußen jemanden geben, der noch nie ein PnC gespielt hat, aber damit anfangen möchte, sollte er jetzt damit anfangen! Dieses Spiel hat das Zeug zum Klassiker!

 

Geschrieben von: Stephanie Kons am 30.01.2011
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