Artikel (Review)
Total War: Shogun 2 (Review)
|
Sei nunmehr 11 Jahren entwickelt The Creative Assembly Spiele der „Total War“-Reihe, und seit 11 Jahren bleibt das Studio dem etablierten Spielprinzip treu. Zurecht, denn mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Runden- und Echtzeitstrategie hebt sich die Serie angenehm von der Konkurrenz ab. Im neuen Teil geht es zurück in das Szenario, mit dem im Jahr 2000 alles anfing: als Daimyo eines japanischen Clans erobert der Spieler Provinz um Provinz, um sich schließlich in der Hauptstadt Kyoto zum neuen Shogun ausrufen zu lassen.
Im Vergleich zu „Medieval: Total War“ oder vor allem dem weltumspannenden „Empire: Total War“ hat man es in „Shogun 2“ also mit einer relativ kleinen Landfläche zu tun. Auf einer detailliert gestalteten, historisch weitgehend korrekt nachgebildeten Landkarte von Japan kontrolliert der Spieler anfangs gerade mal eine oder höchstens zwei der insgesamt 65 Provinzen. Jede Provinz verfügt über ein Hauptstadt, die nach und nach ausgebaut werden kann. Allerdings gibt es weit mehr Gebäudetypen, als Bauplätze vorhanden sind, so dass man sich immer gut überlegen muss, ob man beispielsweise einen Katana-Dojo errichtet, um fortan Schwertkämpfer in der Stadt rekrutieren zu können, oder einen Markt, der zusätzliche Einnahmen in die Staatskasse spült. ![]() Benötigt wird beides: das Geld, um den jede Runde fälligen Unterhalt für seine Armee bezahlen zu können oder neue Gebäude errichten zu lassen, und die Truppen – nun ja, das Spiel heißt nicht umsonst „Total War“. Zwar kann man sich über den Diplomatie-Bildschirm auch um friedliche Koexistenz mit seinen Nachbarn bemühen und lukrative Handelsbeziehungen pflegen, aber früher oder später wird man expandieren oder selbst zum Ziel der gegnerischen Expansionsbemühungen werden. Dann kommt es zur Schlacht – und aus dem Rundenstrategiespiel wird ein Echtzeitstrategiespiel. Krieg als Spektakel Die Schlachten in „Total War: Shogun 2“ finden auf eigenen Maps statt, auf denen man zunächst seine Armee an einer strategisch günstigen Stelle positioniert. Maximal 20 Kompanien darf der Spieler ins Feld führen, die jeweils aus 30 bis 150 Soldaten bestehen. Es kann also durchaus vorkommen, dass 5000 Pixelkrieger aufeinanderprallen – ein grandioses Spektakel. Zumal jeder einzelne Soldat animiert ist, auch wenn der Spieler seine Armee nur kompanieweise steuert. Wer einer Einheit Schwertkämpfern befiehlt, einen gegnerischen Trupp Speerkämpfer anzugreifen, kann dank des stufenlosen Zooms dabei zusehen, wie die Samurai in die feindlichen Reihen stürmen, Speere mit ihren Katanas parieren, selbst zuschlagen oder verwundet zu Boden sinken. Dabei greift das so genannte Stein-Schere-Papier-Prinzip: Die besagten Speerkämpfer mit Katana-Samurais anzugreifen, ist eine gute Idee, einen Trupp Kavallerie auf sie zu hetzten dagegen eine schlechte. Die Reiterei ist dafür umso effektiver, wenn sie feindliche Bogenschützen von den Flanken aus angreift, und so weiter. ![]() Gekämpft wird fast nie bis zum letzten Mann, bei einer drohenden Niederlage ergreifen Einheiten irgendwann die Flucht. Die Moral der Truppen wird unter anderem durch die Anwesenheit eines Generals beeinflusst, der durch siegreiche Feldzüge Erfahrung sammelt und neue Fähigkeiten erlernt. Viel Feind, viel Ehr Während die Runden – und damit jeweils eine Jahreszeit – verstreichen, erweitert man das vom eigenen Clan kontrollierte Gebiet und vergrößert sukzessive seine Armee. Je weiter man die Gebäude in seinen Städten ausbaut, desto besser werden auch die Soldaten, die man rekrutieren kann, bis man schließlich getarnte Ninjas, mächtige Kanonen oder sogar Helden-Einheiten in die Schlacht schickt: kleine Trupps von außergewöhnlich guten Schwert- oder Speerkämpfern beziehungsweise Bogenschützen. Die besten Gebäude kann jedoch nur bauen, wer vorher die passenden Künste in den beiden Technologiebäumen des Spiels erforscht hat. Durch Aspekte wie Forschung, Diplomatie, Handel oder den Einsatz von Agenten, mit denen man etwa feindliche Armeen sabotiert oder Attentate auf Generäle verübt, gewinnt „Total War: Shogun 2“ enorm an Tiefe – und dank der deutlich verbesserten KI im neuen Teil bleiben die Partien stets spannend. ![]() Mit einer kleinen Einschränkung: Mit wachsendem Einfluss des eigenen Clans wächst auch das Misstrauen des Shoguns in Kyoto. Irgendwann ist in jeder Partie der Punkt erreicht, an dem der Noch-Herrscher Japans die übrigens Clans zum totalen Krieg gegen den Spieler aufruft – und sie alle folgen dem Ruf. Was ein wenig Schade ist, denn auch Spieler, die sich bisher gut mit ihren Nachbarn gestellt haben, müssen von diesem Punkt an mit Angriffen von allen Seiten rechnen. Die letzten für den Sieg benötigten Provinzen und zu guter Letzt Kyoto zu erobern, ist nicht ohne – aber schließlich will man ja auch Shogun und damit Alleinherrscher eines ganzen Landes werden. Sun Tzu und so Wie immer fängt auch das neue „Total War“ das Flair des Szenarios perfekt ein und bietet einen Einblick in historische und kulturelle Aspekte – wenn auch aus einem sehr martialischen Blickwinkel. Die japanischen Bezeichnungen für die verschiedenen Einheiten sind anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig, sorgen aber gleichzeitig für die richtige Atmosphäre. Hinzu kommen Sprecher, die ihre Sätze mit japanischen Akzent zum Besten geben, sehr stilvolle Zwischenbilder, die japanischen Farbholzschnitten nachempfunden sind, und fernöstliche Weisheiten, die das Spiel in den Ladebildschirmen präsentiert. Da dürfen selbstverständlich auch die Aphorismen des ersten großen Strategen Sun Tzu nicht fehlen, auch wenn der gute Mann Chinese war. „Total War: Shogun 2“ ist ein rundum gelungenes, rundes Strategiespiel, sehr komplex und sehr umfangreich. Wer mit der Einzelspielerkampagne durch ist, kann unabhängig davon historische Schlachten nachspielen oder im Multiplayer seinen ganz persönlichen General gegen die Armeen anderer Spieler antreten lassen – für den Ausflug ins Japan des 16. Jahrhunderts kann man also ohne weiteres ein paar Wochen oder sogar Monate einplanen. ![]()
|
![]()
|









