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Artikel (Review)

Harveys neue Augen


Nach dem Überraschungshit "Edna bricht aus" erscheint diese Tage der Nachfolger des Point & Click Adventures. Kann "Harveys neue Augen" die großen Erwartungen erfüllen?

"Edna bricht aus" wurde 2008 von der Fachpresse hoch gelobt. Dabei war es im Vergleich zu anderen Spielen dieses Jahres technisch eher altbacken. Dennoch wurde das klassische Point & Click Adventure, das ohne dicke 3D-Grafiken daherkam, keine alternativen Handlungsstränge mitbrachte, mit einer eher schlichten Animation glänzte und einen durchaus eigenwilligen Zeichenstil aufwies, mit Preisen der Fachpresse nahezu überhäuft. Denn trotz dieser Mankos glänzte es mit einer aberwitzigen Story, einer ausgezeichneten Synchronisation, kniffeligen Rätseln, die aber dennoch nicht unlösbar waren und den zwei überaus liebenswert makabren Hauptcharakteren Edna und Harvey. Zusammen suchten die beiden damals Ednas Gedächtnis und einen Weg aus dem Krankenhaus des Irrenarztes Dr. Marcel, wobei ihnen oft die skurrilsten Gestalten zur Hand gingen.



Die Handlung von "Harveys neue Augen" setzt einige Zeit nach der turbulenten Flucht ein, und zwar im Garten eines Klosterinternats, wo die kleine Lilli mal wieder von ihrer Mutter Oberin zu Strafarbeiten verdonnert wurde. Dabei will Lilli doch nur die bravste und gewissenhafteste Klosterschülerin der Welt sein. Leider ist sie dabei auch noch fürchterlich ungeschickt, was sie bei ihren Mitschülern und der Oberin nicht gerade beliebt macht. Ihre einzige Freundin ist daher Edna. Zumindest bis zu dem Tag, an dem sich ein gewisser Dr. Marcel ankündigt, um die Schülerschaft mit einer neuen Methode zu disziplinieren. Da verschwindet Edna plötzlich von der Bildfläche, so dass sich Lilli auf die Suche nach ihr macht. Hierbei wird allerdings schnell klar, dass die Kleine einen mindestens so großen Schaden hat wie Edna und Harvey zusammen. Und dass Harvey, "dank" Doktor Marcel, eine erstaunliche Veränderung vollzogen hat…

Die Rätsel sind grundsätzlich leichter als bei "Edna bricht aus"; was wohl daran liegt, dass man weniger mit sich herumträgt. Aber dennoch ist das eine oder andere Stück Gehirnakrobatik dabei. Als kleines, zusätzliches Schmankerl wurden kleine Minispiele in Form von Logikrätseln eingeführt, die grundsätzlich ebenfalls schnell zu lösen sind und sich gut in die Handlung fügen. Sollte man dennoch ein Brett vorm Kopf, oder ganz einfach keine Lust zu knobeln haben, gibt es eine Skip-Funktion, die direkt zur Lösung führt. Allerdings würde man sich damit eine Menge von der Spielfreude nehmen.



Ein echtes Highlight ist auch dieses Mal die gelungene Synchronisation. Niemand geringeres als der Schauspieler Götz Otto (u.a. Der Morgen stirbt nie, Iron Sky) stand hierfür im Studio und gibt einen hervorragenden Erzähler. Doch nicht nur er, auch die anderen Sprecher haben einen ausgezeichneten Job gemacht und verleihen dem Spiel den passenden Schliff. Die Grafik wurde ein wenig geglättet und verfeinert, hat aber den charakteristischen Stil von "Edna bricht aus" beibehalten. Lässt man sich Zeit und genießt die Kommentare und Dialoge in voller Länge, sollte man nach gut 10 Stunden Spielzeit durch sein.
Übrigens enthält die Box neben dem Spiel auch noch den Soundtrack (genaugenommen das Titellied "Nadel und Faden") auf CD und anstelle eines technischen Kopierschutzes einen echter Klassiker: eine drehbare Codierscheibe á la Monkey Island!



Gerade für den Preis von knapp 30,- Euro sollten Kenner von "Edna bricht aus" zuschlagen. Alle anderen sollten sich vorab das Vergnügen des Vorgängers gönnen um herauszufinden, wo der Hase ursprünglich mal hergelaufen kam.

 

Geschrieben von: Stephanie Kons am 06.09.2011





  

Positiv

  • aberwitzige Erzählweise
  • skurrile Handlung

 


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