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Rage (Review)
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Wenn die Erfinder von „Doom“ und „Quake“ einen neuen Ego-Shooter veröffentlichen, ist der Hype natürlich groß. Schon 2010 rührte Publisher Bethesda auf der Gamescom kräftig die Werbetrommel für „Rage“, in den Vorankündigungen war von „packender Action“ und einer „atemberaubender Grafik“ die Rede. Da ist die naheliegende Frage: Kann das Spiel diese vollmundigen Versprechungen halten? Ist „Rage“ der wegweisende, neue Shooter von id?
Für „Rage“ erweitern die Texaner ihren Markenkern um eine offene Spielwelt sowie Renn- und Rollenspiel-Elemente. Herzstück des Spiels bleiben allerdings die Shooter-Passagen, in denen der Spieler sich gegen fiese Ödland-Gangs, Mutanten und die Truppen einer autoritäre Regierung zur Wehr setzt, die die postapokalyptische Welt von „Rage“ im eisernen Griff hält. Willkommen in der Zukunft Mit einem zynischen „Willkommen in der Zukunft“ begrüßt ein gewisser Dan Hagar den Spieler in der Endzeit. 106 Jahre sind vergangen, seit ein riesiger Meteor die Erde verwüstet und die Menschheit fast ausgerottet hat. Der Spieler zählt zu den wenigen Auserwählten, die kurz vor der Katastrophe in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt wurden. Nach einem traumlosen Jahrhundert wird er nun in den Alptraum von „Rage“ entlassen. ![]() Die Welt, die er vorfindet, ist hart und brutal. Mit der Menschheit ist die Menschlichkeit zu Grunde gegangen, und nur wenige Überlebende der Apokalypse versuchen noch, ein halbwegs zivilisiertes Leben zu führen. Sie haben sich in kleinen Siedlungen zusammengefunden, kleine Oasen zwischen der puren Anarchie der marodierenden Gangs und dem totalitären Regime der Regierung. Hier erhält der Spieler neue Aufträge, kauft bei Händlern Munition und Materialien für verschiedene Gadgets, die er bauen kann, und verwaltet seinen Fuhrpark. Schon früh im Spiel bekommt man in „Rage“ den ersten fahrbaren Untersatz, mit dem man an ziemlich abwechslungsreichen Rennen in bester „Twisted Metal“-Manier teilnehmen kann oder Auftragsziele im Ödland ansteuert. ![]() Das Ödland war für id Neuland. Eine offene Welt gab es in den Shootern der Texaner bislang nicht; die Spiele der „Doom“-Reihe sind geradezu legendär für ihre Tunnel, Gänge und Korridore, und das dritte „Quake“ trug nicht umsonst den Untertitel „Arena“. Auch die Außenareale von „Rage“ erweisen sich bei genauerer Betrachtung als Ansammlung von Korridoren und Arenen unter freiem Himmel. Die Wege zu seinen Einsatzgebieten führen den Spieler durch enge Canyons und über verfallene Highways, die hin und wieder von weitläufigeren, aber immer noch begrenzten Talkesseln unterbrochen werden. Die Welt ist weder wirklich offen noch besonders groß, und viel zu entdecken gibt es auch nicht. Meistens rasen die durchaus sehenswerten Kulissen, die zumindest die Illusion einer offenen Welt erzeugen, am Spieler vorbei, während er sich auf die Minimap und die regelmäßigen Angriffe von Banditenbuggies konzentriert. Dabei inszeniert id das Endzeitszenario sehr stilsicher und in einer wirklich guten Grafik. Die Skylines der zerstörten Städte, die vom Meteoreinschlag zerklüftete Landschaft und nicht zuletzt die verfallenen Innenräume, in denen Gangs und Mutanten ihr Unwesen treiben, versetzten den Spieler sofort in Endzeitstimmung. Auch die Siedlungen stecken voller liebevoller Details und skurriler Charaktere, die immer wieder kleine Nebenjobs für den Spieler parat haben. ![]() Auch wenn „Rage“ stilistisch eine gute Mischung aus „Borderlands“ und „Fallout“ ist – gewürzt mit einem Hauch Western-Flair –, darf man kein Rollenspiel erwarten. Auf die Dialoge mit NPCs kann der Spieler keinen Einfluss nehmen, und das Ödland auf eigenen Faust zu erkunden ist nicht nur unnötig, sondern vor allem lebensgefährlich. „Rage“ ist vor allen Dingen ein Shooter – und zwar ein verflucht guter. Ich glaube, der lebt noch Spätestens, wenn man nach einer rasanten Fahrt durch das Ödland das Einsatzgebiet des aktuellen Auftrags erreicht hat, wird „Rage“ zu einem typischen id-Spiel. Dann findet man sich in den aus „Doom“ bestens bekannten, düsteren Korridoren wieder, tastet sich vorsichtig um die nächste Ecke, bis plötzlich der hervorragende Soundtrack explodiert und man angegriffen wird. Die Gegner verhalten sich äußerst clever und bieten viel Abwechslung. Einige rasen wieselflink auf den Spieler zu und setzten zum Nahkampf an, andere bewegen sich schwer gepanzert und mit der Minikanone im Anschlag langsam auf ihn zu und feuern dabei aus allen Rohren. Bei einem Treffer werden sie physikalisch korrekt zurückgeworfen und wenn sie zu schwer verwundet wurden, schleppen sich hinter die nächste Deckung. Die Animationen sind dabei wirklich beeindrucken, und hinzu kommt, dass die Widersacher ihre Aktionen sogar kommentieren, also beispielsweise einen taktischen Rückzug ankündigen. Sehr gut! Ebenso abwechslungsreich gestalten sich die Schauplätze. „Rage“ führt den Spieler nicht nur durch verlassene Fabrikanlagen oder die mutantenverseuchte Kanalisation, sondern auch durch die Ruinen einer Großstadt oder über schmale Wege und schwindelerregende Hängebrücken in einem Canyon. Das „hard-rail“-Prinzip bleibt dabei zwar unangetastet, es gibt immer genau einen Weg zum Ziel, aber wie schon im Ödland gelingt id hier zumindest die Illusion von Weitläufigkeit. ![]() Zu guter Letzt sorgen auch die verschiedenen Waffen und die dafür verfügbaren Munitionsarten für Abwechslung. Damit kommt sogar ein gewisses taktisches Element ins Spiel. Eines steht fest: Mit „Rage“ beweisen id eindrucksvoll, dass sie immer noch in der Lage sind, richtig gute Shooter zu machen – im Hinblick auf die Gegner-KI, die Animationen, die Lichtstimmung und den Musikeinsatz sogar wegweisende. Ein Wort zu PC-Version Oder besser zwei Worte: Finger weg! Das muss man leider so deutlich sagen. Und das ist sehr schade. Denn wo die Konsolen-Versionen schon wirklich gut aussehen, bietet „Rage“ auf leistungsstarken PCs dann wirklich die vorab angekündigte „atemberaubende Grafik“. Zumindest theoretisch, beziehungsweise auf einigen PCs – auf anderen Rechnern kann es dagegen zu massiven Grafikproblemen kommen, von nur langsam nachladenden Texturen über Texturaussetzer und Tearing bis hin zu einem nervtötenden Flimmern in den Menüs des Spiels. Gleich am Releasewochenende gab id-Chef John Carmack deshalb in einem Statement gegenüber der Website Kotaku zu, dass die Hälfte der PC-Kunden ein Spiel gekauft hätten, das nicht funktioniere, und bezeichnete die Probleme beim PC-Release als „clusterfuck“. Wer also keine Lust hat, von Nvidia und AMD extra für „Rage“ entwickelte Grafikkartentreiber zu installieren, die dann Probleme mit anderen Spielen verursachen können, oder inoffizielle Config-Dateien in das Spielverzeichnis zu kopieren, die ohnehin nur in einigen Fällen zu einer Verbesserung führen, sollte erstmal die Finger von „Rage“ lassen. Der erste Patch ist bereits erschienen, weitere werden mit Sicherheit folgen. Warum es noch immer keine Demo von „Rage“ gibt, bleibt allerdings ein Rätsel. Immerhin könnte damit jeder PC-User ganz einfach überprüfen, ob das Spiel auf seiner Systemkonfiguration fehlerfrei läuft.
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