Sie befinden sich hier:  Startseite / Artikel / Lese-Ecke
Artikel (Special)

Das Labyrinth der träumenden Bücher (Walter Moers)


Lange mussten Fans des phantasievollen Kontinentes „Zamonien“ warten, bis Walter Moers es schaffte einen weiteren Teil aus dem Lebenswerk des zeitgenössischen zamonischen Schriftstellers Hildegunst von Mythenmetz ins Deutsche zu übersetzen und illustrieren. Der Nachfolger von Die Stadt der träumenden Bücher setzt 200 Jahre später an, was für Mythenmetz als Schriftsteller von der Lindwurmfeste zum Glück kein großes Alter ist. Aus der bewährten Ich-Perspektive beschreibt er seinen überaus erfolgreichen Werdegang als Erfolgsautor; anfangs noch vollgesogen mit dem Gabe spendenden „Orm“, später nur noch ein selbstverliebter Schatten seines literarischen Selbst. Letztendlich ist es wieder ein Brief, der ihn zurück nach Buchhaim bringt, der Stadt der träumenden Bücher. Blickte er nach seinem letzten Besuch noch auf eine Stadt in Flammen zurück, so hat das moderne Buchhaim eine erstaunliche Wandlung zur touristischen Metropole durch gemacht. Ständig inkognito unterwegs um sich seiner Vergangenheit zu stellen, entdeckt er neben alten Bekannten zu seiner großen Verwunderung auch, dass Bücher nicht mehr länger alleine Mittelpunkt jeder Perzeption sind.  Denn eine neue Kunstform hat die Stadt erobert – der Puppetismus, das Theaterspiel mit Puppen und Marionetten aller Art.

Wenn man ein Buch ausschließlich danach bewerten müsste, ob eine Geschichte, die man bequem auf zehn Seiten skizzieren könnte, auf das mehr als Vierzigfache aufgebläht werden kann – Das Labyrinth der träumenden Bücher müsste ein Bestseller werden. Und interessanter weise wird wahrscheinlich genau das eintreten, ein weiterer Erfolg von Autor Walter Moers. Mit Abstand betrachtet passiert in dem Buch nämlich erschreckend wenig. Es hat sogar einen absoluten Tiefpunkt, in dem auf mehr als fünfzig Seiten beschrieben wird, wie die Geschichte des ersten Teils als Puppentheater aufgeführt wird. Als Kenner des ersten Teils ist man da schon versucht ein paar Seiten vor zu blättern. Es spricht aber für die gewohnte Qualität von Moers, die über 400 Seiten trotzdem so zu füllen dass man (meistens) gut unterhalten wird. Außerdem hat er sich diesmal in Fülle und Qualität seiner Tuschezeichnungen, die immer mal wieder eingestreut sind, selbst übertroffen. Allerdings scheinen sie ihm so viel Zeit gekostet zu haben, dass man beim Verlag die Notbremse zog und das eh schon in Verzug geratene Werk als Zweiteiler veröffentlichte. Dies hat zur Folge, dass dem Leser mit Das Labyrinth der träumenden Bücher sozusagen nur die Ouvertüre eines Abenteuers vorliegt, die genau an dem Punkt abbricht, an dem es spannend zu werden scheint.

Hardcover / Albrecht Knaus Verlag / 432 Seiten / ISBN 978-3813503937 / € 24,99


 

Geschrieben von: Dirk Kons am 25.10.2011





 


Affenclub.net |Koobi:CMS 7.25 © dream4® | Impressum | Bookmark and Share