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Stronghold 3 (Review)


Wenn man ein paar Stunden „Stronghold 3“ gespielt hat, fragt man sich, wie das Mittelalter 900 Jahre dauern konnte. Das neue Spiel der Firefly Studios ist bestenfalls was für Hardcore-Strategen, die bereit sind, ihm jede Menge Fehler zu verzeihen. Und damit sind nicht irgendwelche Schönheitsfehler gemeint: „Stronghold 3“ macht mit zahlreichen absolut verbockten Standards das Burgenbauen zur Geduldsprobe.

Eigentlich ist „Stronghold 3“ gar kein schlechtes Spiel. Eine Mischung aus Aufbau- und Echtzeitstrategie, also wohl ein ein Echtzeit-Aufbaustrategiespiel, mit einem starken militärischen Fokus. Der Spieler kann seine Truppen – Pikeniere, Bogenschützen, die üblichen Verdächtigen eben – in Befehlsgruppen zusammenfassen und schickt sie genretypisch mit einem Rechtsklick auf den Gegner. Gleichzeitig baut er, ausgehend von einem Bergfried und zwei Lagern für Nahrung und andere Rohstoffe, eine Burganlage auf. Mit Holzfällern, Bäckern, einem Inn oder Wohnhäusern,  und selbstverständlich mit Mauern, Toren, Türmen und einer hoffentlich bald gut gefüllten Waffenkammer. Die Warenkreisläufe sind recht komplex, vor allem im Vergleich zum durchschnittlichen Echtzeitstrategiespiel, und während man seine Mauern gegen anrückende Feinde verteidigt oder selbst angreift, muss man immer noch die Zufriedenheit der Burgbewohner und die Platzierung des nächsten Gebäudes im Auge behalten. Das Beste aus zwei Welten. Eigentlich.



Wo ist mein Werkzeug!


Denn so gut das Spielprinzip von „Stronghold 3“ sein mag, so schlecht ist die technische Umsetzung. Zumindest wurde mit einem Patch Anfang November der ungenaue Mauszeiger repariert – man trifft jetzt tatsächlich die Einheit, auf die man zielt. Aber auch so bleibt eine Masse von völlig verbockten Genrestandards, die ihresgleichen sucht.

Fangen wir mal mit der Pause-Funktion an. Die gibt es zwar, sie ist aber im Aufbau-Part schlicht nicht zu gebrauchen, weil man immer nur ein Gebäude errichten kann; ein weiteres lässt sich erst aus dem Baumenü auswählen, wenn man die Pause unterbricht. Natürlich kann man die Burg auch in Echtzeit hochziehen, aber Aufbaustrategiespieler sind auch immer Ästheten. Man will schließlich nicht, dass es innerhalb der Burgmauern aussieht wie Kraut und Rüben und nimmt sich für Gewöhnlich ein bisschen Zeit, die neue Kirche möglichst ansprechend ins Stadtbild zu integrieren. Und selbst wer schweren Herzens auf die Ästhetik pfeift, kommt nicht umhin, beim Bauen Sorgfalt walten zu lassen – es ist nämlich spielentscheidend, die Wege zwischen den Produktionsgebäuden möglichst kurz zu halten.

Das Errichten neuer Gebäude bedarf also der uneingeschränkten Aufmerksamkeit des Spielers. Vermutlich haben sich die Entwickler gedacht, dass sie ihn dabei besser nicht stören, weshalb sie auf einen Alarm beim Angriff eines Gegners – ebenfalls ein absoluter Standard im Genre – verzichtet haben. Blöd nur, dass man so ein ums andere mal feststellt, dass seine Truppen gerade von einer Meute Wölfe gefressen wurden, während man das Hopfenfeld und die Brauerei platziert hat.

In Kombination mit dem knackigen Schwierigkeitsgrad machen solche ärgerlichen Versäumnisse seitens der Entwickler „Stronghold 3“ zu einem Geduldsspiel, man sollte wirklich oft speichern – allerdings kann es ausgerechnet während des Speicherns zu Abstürzen kommen, wobei auch das eben erstellte Savegame korrumpiert wird. Wer „Stronghold 3“ spielt, wird sich daran gewöhnen müssen, Missionen mehrmals von Vorne zu beginnen.

Die Liste der Fehler ließe sich noch lange fortsetzen: es gibt keine Tooltips, weswegen man Gebäude anfangs auf gut Glück baut, es gibt keine Markierung des Bildausschnitts auf der Minimap, die Kamera lässt sich nicht neigen und Einheitengruppierungen werden beim Laden eines alten Spielstandes gelöscht. Man fragt sich manchmal wirklich, ob bei den Firefly Studios neuerdings nur noch Programmierer arbeiten, die bisher Shooter und Rennspiele entwickelt haben.

Zähne zusammenbeißen

Irgendjemand hat mal gesagt: „Das einzig unerträgliche ist, dass nichts unerträglich ist.“ Auch wenn „Stronghold 3“ extrem unzugänglich ist, macht es streckenweise Spaß. Es gibt einfach nicht viele Spiele, die Echtzeitstrategie und Aufbaustrategie derart miteinander verknüpfen. Tapfere Spieler, die beide Genres mögen, könnten also durchaus die Zähne zusammenbeißen und über die Fehler hinwegsehen. Denn wie gesagt, eigentlich ist „Stronghold 3“ kein schlechtes Spiel, und mit zwei Singleplayer-Kampagnen – einer militärischen und einer ökonomischen –, verschiedenen historischen Belagerungen, die man nachspielen kann, sowie einem ausgiebigen Multiplayer-Part hat es auch einiges zu bieten.

Auch die Inszenierung ist in Ordnung. Ob in Gebäuden etwas produziert wird oder nicht, sieht man auf den ersten Blick, und bald wuselt es innerhalb der Burg von emsigen Arbeitern. Die mittelalterliche Musik sorgt für Stimmung, und jede Mission wird von guten Sprechern und mit schönen Zeichnungen eingeleitete.



Man muss einfach hoffen, dass die Entwickler weiterhin fleißig Patches veröffentlichen. Allein schon, weil Strategiespiele vielleicht die letzte Legitimation für den PC als Spieleplattform sind. Und ein Gutes haben die ganzen Fehler: im Vergleich zur Steuerung wirkt die altbackene Grafik des Spiels wirklich zeitgemäß.

 

Geschrieben von: Alex Praxl am 05.11.2011
Leserwertung: 





  

Positiv

  • Gute Mischung aus Aufbau- und Echtzeitstrategie
  • Komplexer Burgenbau
  • Bemannbare Gebäude
  • Wuselfaktor

Negativ

  • Zahlreiche fehlende Standards
  • Defekte Pause-Funktion
  • Kein Feedback bei Angriffen
  • Abstürze ausgerechnet beim Speichern
  • Extrem unzugänglich
     
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Kommentare
Am Mittwoch, 8.Feb 2012, 07:03 schrieb wSlktJJMpo aus QEiTlPmlkbMqxvy
Ich gebe Dir vmelkomoln recht: Es gibt keinen positiven Stress, wenn er nicht ausgeglichen werden kann durch Entspannung, Abreaktion und durch Innehalten. Das habe ich auch erst viel zu spät kapiert.Wünsche Dir weiterhin viel Erfolg!

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