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Artikel (Review)

NeverDead


Ein untoter Söldner, der gegen fiese Dämonen kämpft und dabei neben zwei Ballermännern noch auf ein riesiges Schwert zurückgreifen kann, klingt erst mal ziemlich cool. Wenn dann noch mit feinstem Trash-Charme Körperteile durch die Gegend fliegen, ein fetziger Metal-Soundtrack in Hintergrund läuft, und auch eine heiße Blondine mit kurzem Röckchen mitmischt, klingt es noch cooler. Allerdings kann man mit Macken und Mängeln im Design die Karre auch an die Wand fahren. Gar nicht cool.

Bryce Boltzmann hat es nicht leicht. Als ob es nicht reichen würde, vor 500 Jahren im Kampf gegen einen Dämonenherrscher zu unterliegen und dabei die Liebe seines Lebens zu verlieren, wurde er auch noch zur Unsterblichkeit verflucht. Eigentlich hat er schon lange keine Lust mehr, sich immer wieder gegen die in unsere Welt dringende Dämonenbrut zu stellen. Doch auch ein herunter gekommenes Apartment in einer Bruchbude kostet Miete, und so kommt ihm der ein oder andere Scheck der NADA, einer Regierungsorganisation zum Kampf gegen die Dämonen, nur recht. Seine Partnerin bei der Monsterhatz ist Agentin Arcadia Maximille, die neben einem tiefen Ausschnitt auch schlagkräftige Argumente zu bieten hat. Zum Beispiel eine Kugel im Kopf, wenn es mit der Motivation zum Aufstehen mal wieder nicht so recht klappen will. Und es versteht sich von selbst, dass man an der Seite von einem Raubein wie Bryce nicht auf den Mund gefallen sein darf, was immer wieder für Dialoge voller Seitenhiebe sorgt.



Gleich zu Beginn des Spiels führt die beiden ihr Einsatz in ein altes Krankenhaus, was gleichzeitig als Tutorial dient. Dort lernt man schnell eine besondere Eigenschaft kennen, was einem als Untoten so passieren kann. Denn der so tough wirkende Bryce ist tatsächlich ziemlich empfindlich und verliert recht schnell den Kopf – im wahrsten Sinne des Wortes. Bei Verletzungen fallen im nämlich regelmäßig die Körperteile ab. Kann er sich ohne Arme noch wenigstens mit Tritten und Kopfnüssen verteidigen, ist Bryce spätestens ohne Torso nichts weiter als ein rollender Kopf. Dann kann er nur noch hilflos durch die Gegend rollen und muss schnellstens seine Gliedmaßen einsammeln, oder er wartet abseits einige Sekunden ab um sich vollständig regenerieren zu können.



Was zuerst eine witzige Idee ist und auch an einigen Stellen genutzt werden kann, um für einen ganzen Kerl unerreichbare Areale zu betreten, erweist sich schnell als einer der größten und nervigsten Makel im Spiel. Denn schon im ersten Bereich wird unsere Spielfigur so oft ihre Einzelteile zerlegt, dass man länger damit beschäftigt ist wieder zu sich selbst zu finden, als wirklich gegen die fleißig erscheinenden Dämonen zu kämpfen. Dabei muss nebenbei noch auf unsere Begleiterin aufgepasst werden, denn im Gegensatz unserer Spielfigur ist sie alles andere als unsterblich. Geht sie zu Boden, was ziemlich häufig passiert, und wird nicht rechtzeitig vom kompletten Bryce aufgepäppelt, ist das Spiel vorbei. Da hilft es auch wenig, dass es später spezielle Monster auf den Kopf abgesehen haben, und somit eine weitere Gelegenheit bieten den letzten Speicherpunkt kennen zu lernen.



Zur Verteidigung trägt Bryce neben zwei Pistolen noch ein riesiges Schwert auf dem Rücken. Damit kann er nicht nur Dämonen zerhacken, sondern auch die ein oder andere Türe öffnen. Leider ist die Schwertsteuerung völlig verkorkst: anstatt damit von Gegner zu Gegner zu rushen und dabei einige elegante Combos hinzulegen, muss man jeden Gegner einzeln anvisieren und dann mit dem rechten Analogstick angreifen. Für gewöhnlich enden solche Kämpfe in wildes Herumgefuchtel, bei denen am Ende entweder die Dämonen oder, viel zu häufig, Bryce in Einzelteilen auf dem Boden liegen. Für erledigtes Viehzeugs oder durch Einsammeln von Orbs gibt es Erfahrungspunkte aufs Konto, mit denen sich allerlei mehr oder weniger effektive Verbesserungen freischalten lassen. Das gibt 'NeverDead' einen Rollenspiel-Anstrich und ist auch bitter nötig, denn das Spiel wird mit der Zeit nicht leichter. Im Gegenteil, der Schwierigkeitsgrad ist ein ganz schön dicker Brocken, was aber nur zum Teil an den Pixelgegnern liegt. Viel zu oft sind das Design und die Steuerung der größere Feind.



Die Grafik geht mit ihrem halb-realistischen Comicstil in Ordnung, fällt aber technisch immer wieder durch kleine Unsauberkeiten auf. Dafür kann man weite Teile der Umgebung zu Kleinholz verarbeiten und so eine Spur der Verwüstung durch die meist arg linear gestalteten Levels ziehen. An der englischen Sprachausgabe gibt es nichts zu meckern, auch wenn man einige Sprüche mit der Zeit nicht mehr hören kann. Die Sprecher machen einen guten Job, für hiesige Spieler gibt es deutsche Untertitel. Bei der Steuerung gibt es wieder was zu  meckern, sie ist einfach zu hektisch für die etwas steif wirkende Hauptfigur, und dabei auch noch völlig überladen.



Tja, leider kann ich euch 'NeverDead' nicht wirklich empfehlen, dazu ist das Spiel einfach zu unrund. Selbst als Trash-Granate taugt es wenig, denn das Hauptfeature – das Verlieren von Körperteilen – nutzt sich schnell ab. Schlimmer noch, es erweist sich als regelrechter Hemmschuh, als Tod von Spielspaß und  -fluss. Das und die mangelnde Abwechslung im Spielgeschehen drücken schwer auf die Motivation, in den knapp 12 Stunden bis zum Abspann war ich mehr als einmal kurz davor einfach abzuschalten und das Spiel in den Tiefen des Archivs verschwinden zu lassen. Dazu kommen noch die ständige Hektik des Begleitschutzes und der Frust, wenn die KI sich mal wieder dumm wie ein Löffel voll Suppe anstellt. Da nützen auch die gut gemachten Zwischensequenzen nicht mehr, die so was wie den Höhepunkt des Spielgeschehens darstellen. Für mich die Enttäuschung des noch jungen Jahres.

 

Geschrieben von: Dirk Kons am 10.02.2012





  

 


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