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Disciples III: Renaissance



Review: PC (getestet)

Eine “Welt aus Schmerz und Leid”, erschaffen vom “Himmlischen Vater”, eine uralte Prophezeihung, die von einer großen Veränderung kündet, und ein Stern, der als Zeichen dieser Prophezeihung vom Himmel fällt – die Fantasy-Story des Rundenstrategiespiels “Disciples III: Renaissance” ist auffallend durchsetzt von allerlei christlichen oder zumindest religiösen Motiven, es geht um Engel, um Himmel und Erde, um die “Gnade des freien Willens” und um eine reinigende Flamme, die alles Übel der Welt auslöschen soll. Vor allem aber geht es um rundenbasierte, taktische Hexfeld-Kämpfe, denn “Disciples III” ist durch und durch vergleichbar mit “King´s Bounty” oder “Heroes of Might and Magic”. Entwickelt wurde es – wie die zuletzt sehr erfolgreich fortgesetzte ”King´s Bounty”-Reihe – in Russland, allerdings nicht von Katauri Interactive, sondern von .dat, einem Studio, das aus dem Publisher und Spielentwickler Akella hervorgegangen ist. In Deutschland bringt der Wormser Publisher Kalypso das Game auf den Markt.

Drei Kampagnen hält “Disciples III” für den Spieler bereit. In der ersten schlüpft man in die Rolle  des imperialen Hauptmanns Lambert, den das im Untergang begriffene Reich der Menschen ausschickt, um den vom Himmel gefallenen Stern zu bergen. Die Menschen sehen in der Prophezeihung eine letzte Chance, das Schicksal zu ihren Gunsten zu wenden.
In den beiden anderen Kampagnen übernimmt man den Befehl über die Dämonenhorden der Legion der Verdammten und schließlich über die Elfenallianz, die dem Imperium der Menschen so sehr zusetzt.

Runde Strategie

Jede Kampagne ist in mehrere Akte unterteilt. Jeder Akt spielt auf einer abgeschlossenen Map, einer hübsch gestalteten, zum Ende hin immer größer werdenden Landkarte, auf der man Lambert und seine Truppen als übergroße Spielfigur rundenweise bewegt. Lambert sammelt im Laufe des Spiels Erfahrung, die er unter anderem in eine größere Bewegungsreichweite investieren kann – bald sind die Anfangs 15 Schritte, die man pro Runde machen kann, verdoppelt.
Über die so genannten “Knotenpunkte der Macht” erweitert man den Einflussbereich seiner Fraktion und sichert sich Rohstoffe, die in speziellen Bauwerken erwirtschaftet werden. Pro Runde sammelt man so Gold, Steine und Mana, die man für die Verbesserung seiner Armee, das Anheuern neuer Truppen oder für Magie verwendet.



Trifft Lambert auf der Karte eine Gruppe von Gegnern – und die sind zahlreich – oder betritt er ein Gebäude, wechselt die Ansicht auf eine isometrische Hexfeld-Arena. Dort entscheidet ein Initiativewert über die Reihenfolge, in der die Figuren bewegt werden dürfen. Sind sie am Zug, schwingen Ritter das Schwert, Bogenschützen feuern ihre Pfeile ab, Magier sprechen einen offensiven Zauberspruch und Priester heilen Verbündete. Außerdem lernen die Einheiten genau wie Lambert mit steigendem Level Spezialfähigkeiten, die sie einmal pro Runde einsetzen können, oder sie nutzen ihren Zug, um einen Gegenstand aus dem Inventar zu benutzen.



Mehr als eine Prise Rollenspiel


Sehr gut gelungen ist die Verschmelzung des klassischen, rundenbasierten Spielprinzips mit Rollenspielelementen. Lambert kann mit immer besseren Waffen und Rüstungen ausgestattet werden, wobei sich die Auswahl hier arg in Grenzen hält, und steigt über die Akte hinweg im Level auf. Dabei erhält er  Punkte, die er in die Verbesserung der Attribute Ausdauer, Stärke, Intelligenz, Gewandtheit und Geschicklichkeit investiert und mit denen er neue Skills erlernt, die ihm etwa mehr Bewegungspunkte sowohl auf der Landkarte als auch auf den taktischen Maps geben, ihn für eine Zeit unverwundbar machen, ihm einen zweiten Angriff pro Runde bescheren oder – ganz wichtig – dafür sorgen, dass Lambert mehr Truppen befehligen kann. Anfangs ist unser Held nämlich nur mit vier Soldaten unterwegs, später werden es bis zu neun.
Gleiches gilt auch für die Helden, die man in “Disciples III” neben Lambert anheuern kann. Eine Kriegerin, ein Magier, ein Bogenschütze und ein Dieb warten darauf, an der Seite des Hauptmanns zu kämpfen. Nachdem man ihnen einen Namen gegeben hat, können sie wie Lambert Truppen befehligen, Ausrüstung und Erfahrung sammeln. Vor allem aber können sie in einem neuen Akt als Veteranen wieder angeheuert werden und behalten ihre Fähigkeiten und ihr Equipment.



Auch die einfachen Soldaten entwickeln sich weiter. Dafür muss man in einer Hauptstadt, von der aus man in jeden neuen Akt aufbricht, die entsprechenden Gebäude weiterentwickeln. Erst, wenn man beispielsweise den Arkanen Turm errichtet hat, können Zauberkundige zum mächtigen Weißmagier aufsteigen, sobald sie genug XP gesammelt haben.



Die Haupstadt allerdings muss man in jedem Akt neu ausbauen, denn die Story führt Lambert immer weiter an die Grenzen des Imperiums, und auch als Dämon oder Elf ist man ständig unterwegs.

Story nur für Leseratten

Wohin die Reise geht, erfährt man am Anfang eines jeden Aktes durch eine Erzählerstimme und ein einziges, durchaus stimmungsvolles und schön gezeichnetes Bild in schwarz-weiß. Eine fulminate Intro-Cut-Scene sieht anders aus, und überhaupt hätte man in der Inszenierung einiges besser machen können. Gesprochene Dialoge etwa gibt es nicht, wer die Story mitverfolgen will, muss lesen. Vor allem die Anleitung sollte nicht ungelesen bleiben, wenn man tiefer in die Geschichte des Spiels einsteigen will. Ansonsten müssen die – auch in der deutschen Synchro gut vorgetragenen – Monologe am Anfang jedes Aktes und vor den drei Kampagnen ausreichen.

Und weil man dort den Text auch mitlesen kann, könnte man “Disciples III” eigentlich auch ganz gut ohne Sound spielen, denn die eintönige Musikuntermalung stellt man wahrscheinlich schon nach den ersten Stunden entnervt ab, und ansonsten spielt sich auf der Tonspur fast nichts ab. Mit einer Ausnahme: jede Einheit hat genau einen Satz, den sie von sich gibt, wenn sie an der Reihe ist, einen zweiten, wenn sie schwer verletzt ist und sogar einen dritten Satz, der eine erfolgreiche Aktion kommentiert. Das nervt auf Dauer ganz gewaltig, denn pro Akt bestreitet man schätzungsweise um die 100 Gefechte, in denen man immer wieder “Die Kavallerie erwartet Eure Befehle”, “Soll ich jemanden erschießen” oder “Der Feind ist vernichtet” zu hören bekommt – und die Kommentare sind im Gegensatz zur Erzählerstimme teilweise auch noch recht lieblos eingesprochen.

Ohren zu und durch

Ganz anders die Optik des Spiels: das Artwork ist wirklich gut gelungen, angefangen von den Menüs über die Portraits der Charaktere bis hin zum Design der Rüstungen, Waffen und Gegner. Vor allem die Einheiten der Legion der Verdammten sehen herrlich hässlich aus, die Ritter der Menschen dagegen sehr erhaben. Und in “Disciples III” kämpft man auch schonmal gegen einen beseelten Baum, der um einen riesigen Felsbrocken gewachsen ist und diesen als Waffe verwendet.

Auch und vor allem die Grafik in den Hexfeld-Kämpfen kann sich sehen lassen. Zaubersprüche sorgen für reichlich Farbe auf dem Bildschirm, alle Einheiten sind gut animiert, und wer mag, kann bei einem Duell die Kamera auf die beiden Kontrahenten fokusieren und den “Dramaeffekt” genießen.



Aber nicht nur deshalb machen die Kämpfe in “Disciples III” Spaß – und zwar immer wieder aufs Neue. Im Kern macht das Spiel alles richtig, es ist tatktisch und vor allem das Leveln der Figuren, die sich nach und nach zu immer stärkeren Kämpfern oder mächtigeren Magiern entwickeln, klappt richtig gut.
Strategie-Fans, die mit Rollenspielen etwas anfangen können, werden auf ihre Kosten kommen – vor allem, wenn sie schon ein wenig Erfahrung mit dem Genre haben, denn “Disciples III” ist alles andere als einsteigerfreundlich. Das Tutorial darf man eigentlich nicht als solches bezeichnen, da kann man ebenso gut die Anleitung lesen. Und Beschreibungen wie “Beschwört eine Lebende Rüstung” für den Zauberspruch “Lebende Rüstung beschwören” hätte man sich dann auch ganz sparen können. Auch kurios: bevor es losgeht, muss man sich erstmal einen Savegeme-Ordner im Spieleverzeichnis anlegen, das haben die Entwickler nämlich scheinbar vergessen. Hinzu kommt, dass “Disciples III” mit seinen langen Ladezeiten - wenn man etwa vom Charakterbildschirm oder dem Hauptstadt-Menü zurück auf die Karte will - die Geduld etwas auf die Probe stellt.

Aber in den wesentlichen Aspekten passt es eben. Ein bisschen ist “Disciples III” wie ein Spiel von Früher, als bestimmt nicht alles besser, aber eben auch nicht alles schlechter war. Das deutlichste Indiz dafür ist vielleicht der Hot Seat Modus, in dem man zu zweit abwechselnd an einem PC spielen kann. Sowas ist heutzutage viel zu selten.

Fazit: “Disciples III” ist ein gutes Spiel, das in einigen Disziplinen noch besser sein könnte.

 

Geschrieben von: Alex Praxl am 12.07.2010
Leserwertung: 





  

Positiv

  • Hot Seat Modus
  • sehr schönes Artwork
  • taktische Kämpfe
  • Charakterentwicklung
  • gute deutsche Erzählerstimme

Negativ

  • lange Ladezeiten
  • nervige Musikuntermalung
  • einsteigerunfreundlich
  • quasi kein Tutorial
     
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